Sonntagsandacht Pfingsten 2020


Die Andacht als Word-Dokument finden Sie hier: Sonntagsandacht Pfingsten 2020

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! Amen

Heute ist Pfingsten. Der Fünfzigste Tag nach Ostern.  Wir feiern Gottes Geist, der lebendig macht. Der unseren Glauben stärkt. Der tröstet und befreit.

Mit ihm dürfen wir rechnen in unserem Leben, den Gott verspricht seinem Volk:

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr der Heerscharen. (Sacharja 4,6)

 

Psalm118

Dies ist der Tag, den der HERR macht;

lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

O HERR, hilf! O HERR, lass wohlgelingen!

Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN!

Wir segnen euch vom Haus des HERRN.

Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet.

Schmückt das Fest mit Maien

bis an die Hörner des Altars!

Du bist mein Gott, und ich danke dir;

mein Gott, ich will dich preisen.

Danket dem HERRN; denn er ist freundlich,

und seine Güte währet ewiglich.

 

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,

wie im Anfang so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit.

Amen.

 

Gebet

Heiliger Geist, Du Atem Gottes,

Du tröstest und befreist, Du öffnest die Herzen und stärkst den Gauben. Du durchdringst unser Leben mit Liebe.

Komm in unser Leben, erneuere und belebe uns,

Auf Deine Kraft vertrauen wir. Amen

 

Evangelium bei Johannes im 14. Kapitel:

Jesus sprach zu seinen Jüngern: Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. 16 Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: 17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. 18 Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. 19 Es ist noch eine kleine Zeit, dann sieht die Welt mich nicht mehr. Ihr aber seht mich, denn ich lebe, und ihr sollt auch leben. 20 An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. 23 Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. 24 Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. 25 Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. 26 Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

27 Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

 

Predigt

Liebe Gemeinde,

ohne Essen kann man mehrere Wochen überleben.

Und ohne Trinken ein paar Tage!

Aber ohne die Luft zum Atmen – nur ein paar Minuten.

Die Luft zum Atmen, sie ist das, was wir am allernötigsten brauchen. Ohne sie würden wir innerhalb von Minuten zugrunde gehen.

Dabei ist sie das unscheinbarste von allen Elementen. Sie ist unsichtbar, und man spürt sie nur, wenn sie in Bewegung ist, als Wind oder Sturm.

Und wenn sie so richtig in Bewegung ist, dann können wir sie auch noch anderweitig nutzen, indem wir ihre Kraft in Energie umwandeln. Das tun Menschen schon seit tausenden von Jahren. Vom Segelschiff über die Windmühle bis hin zum Windgenerator – Luft und Wind sind lebenswichtig.

Ist es dann ein Wunder, dass Luft und Wind in der Heiligen Schrift zum Bild und Gleichnis für Gottes Wirken werden. Da taucht im Alten Testament immer wieder ein Wort auf, das schon in seinem Wortlaut den Hauch des Windes enthält, ruach heißt es auf hebräisch, und es wird mit Geist und Wind übersetzt.

Gott wirkt als heiliger Geist, und seine Wirkung ist so ähnlich wie die des Windes oder der frischen Luft – belebend und verändernd, befreiend und aufwühlend.

Das durften auch die ersten Christen erfahren. Nachdem Jesus sich von ihnen verabschiedet hatte, wussten sie nicht, wie es jetzt eigentlich weitergehen sollte. da stellte sich wieder Unsicherheit ein. Hat das alles hier überhaupt einen Sinn, diese christliche Gemeinschaft – das mag sich mancher gefragt haben? Die Luft war raus, und doch war da noch eine Erwartung, denn Jesus hatte versprochen, dass da noch etwas geschehen sollte. Die Jünger trafen sich also weiter regelmäßig zum Gottesdienst oder zum gemeinsamen Brotbrechen.

Doch eines Tages wurde plötzlich alles anders – aus verunsicherten und müden Christen wurden plötzlich begeisterte Christen, wie wir in der Pfingsterzählung des Lukas (Apostelgeschichte im 2. Kapitel) hören können:

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander.

2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.

3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen,

4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.

5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.

6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.

7 Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa?

8 Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache?

9 Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien,

10 Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom,

11 Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden.

12 Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden?

13 Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein.

 

Etwas kommt über die Jünger. Wie ein Wind, wie ein Feuer, wie ein Landregen auf dürrem Boden.

Die Jünger Jesu reden in verschiedenen Sprachen, so als hätten sie diese gelernt. Und sie reden von dem, was sie mit Jesus erlebt haben.

Eine einmalige Erfahrung. Und deshalb kann man es mit Recht auch als Pfingstwunder bezeichnen. Denn Gott hat sich offenbar der Luft, des Windes bedient, um den Heiligen Geist für die Jünger noch stärker erfahrbar zu machen. Das Brausen, das die Jünger hörten, das geschah nicht nur in ihrem Kopf, wie man annehmen könnte, sondern es war auch für andere hörbar, die nicht zu der Gemeinschaft der Jünger Jesu gehörten.

Die Feuerzungen hingegen, von denen hier die Rede ist, die müssen wohl eine besondere Erscheinung nur für die Jünger gewesen sein. Wie auch immer es sich verhalten mag – offenbar wollte Gott sein Wirken als Heiliger Geist konkret erfahrbar machen. Und zwar nicht nur für die Jünger Jesu, sondern auch für die anderen Menschen.

Doch nicht immer wirkt der Heilige Geist so konkret erfahrbar. Ich möchte sogar behaupten, dass er nur sehr selten so spektakulär daherkommt. Und doch ist er ständig am Wirken, nämlich immer dann, wenn Menschen zum Glauben an Jesus Christus kommen, wenn sie ihn als ihren Herrn und Erlöser bekennen.

Aber auch dann, wenn Christen in ihrem Glauben gestärkt werden oder wenn sie im Licht der Heiligen Schrift ihr Leben neu verstehen. Oder wenn sie die Kraft bekommen, ihr Leben zu ändern.

Da passieren oft Entscheidungen im tiefsten Herzen, bei denen der Verstand und das Gefühl erst noch hinterherkommen müssen. Wenn der Geist wirkt, dann wirkt er eben wirklich wie ein brennendes Feuer, das sich unwiderstehlich im Herzen ausbreitet.

Und doch brauchen wir diese Erzählung aus der Apostelgeschichte ganz dringend, damit wir uns klar machen können, dass der Heilige Geist eben eine wirksame Macht ist.

Bei Jesu Jüngern hat er damals spektakulär gewirkt, indem sie alle in verschiedenen Sprachen geredet haben. Auch dies ein Hinweis Gottes: Tragt die Frohe Botschaft von Jesus Christus in alle Welt – sie ist nicht nur für euch Juden da, sondern für alle Menschen.

Wenn man bedenkt, dass die Bibel mit Abstand das meist übersetzte und meistgedruckte Buch der Welt ist, dann kann man sehr wohl sagen: Die Jünger Jesu haben ihre Hausaufgaben gemacht. Und sie machen sie auch heute noch.

Eine Zeichenhandlung Gottes also, dieses Pfingstwunder, aber nicht alle haben dieses Zeichen Gottes verstanden. Einige denken sogar, die Jünger haben zuviel getrunken.

Gott hat sich wieder mal in unsere zwielichtige Welt begeben, auf die Gefahr hin, dass er missverstanden wird.

Und doch sorgt der Geist dafür, dass es nicht bei den Missverständnissen bleibt. Hören wir weiter, was Lukas erzählt:

14 Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, liebe Männer, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, und lasst meine Worte zu euren Ohren eingehen!

15 Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde am Tage;

16 sondern das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5):

17 »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben;

18 und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.

 

Liebe Gemeinde, der Jünger Petrus, eigentlich kein großer Redner vor dem Herrn, fängt plötzlich an, frei und wirkungsvoll vor den Leuten zu reden. Er deutet den Menschen, was da gerade vor ihren Augen und Ohren passiert ist.

Die Jünger sind weder betrunken noch unter anderen Drogen. Sie sind einfach erfüllt vom Heiligen Geist, von dem schon in den Heiligen Schriften die Rede ist. Von Gottes Geistkraft, die Totes zum Leben erwecken kann und Menschen zur Umkehr bringt.

Die unser Herz öffnet für Gott und füreinander.

 

Liebe Gemeinde, heute feiern wir Geburtstag, den Geburtstag der Kirche. So wird Pfingsten von alters her genannt. Seit jenem Tage wird die Kirche durch den Heiligen Geist immer wieder von innen heraus erneuert und gereinigt, indem er Menschen zu einem Leben in Glaube, Hoffnung und Liebe beruft. Ohne den Heiligen Geist, ohne diese unsichtbare aber hochwirksame Atemluft Gottes wäre unser Glaube längst von der Erdoberfläche verschwunden und niemand würde mehr von Jesus reden.

Aber eben das tun immer mehr Menschen. Zumindest in den meisten teilen der Welt. Gott sei dank!

 

Fürbitten

Komm, Heiliger Geist, und schaffe alles neu!
Wir sind in Unruhe.
Komm mit deiner Weisheit.
Viele sind verunsichert.
Komm mit deiner Klarheit.
Die Mächtigen sind uneins.
Komm mit deinem Rat.
Die Kranken sehnen sich nach Heil.
Komm mit deiner Stärke.
Die Wissenschaftler und Forscherinnen mühen sich.
Komm und schenke ihnen Erkenntnis.
Die Traurigen verlieren den Mut.
Komm mit deinem Trost.
Deine Gemeinde sehnt sich danach,
zu singen und gemeinsam aufzuatmen.
Komm und berühre deine Menschen.
Brich mit uns zusammen auf.
Geh mit uns hinaus ins Weite
und heile uns.

 

(Hier können persönliche Anliegen eingefügt werden …)
Komm, wir warten!
Komm, Heiliger Geist, und schaffe alles neu!
Erfülle uns, wenn wir gemeinsam mit dem Sohn zum Vater beten:

 

 

Vaterunser

Vaterunser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Der Herr segne uns und behüte uns,

der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig,

der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns seinen Frieden!