Sonntagsandacht


In unserem Pfarrbereich gibt es keinen Ort, an dem jeden Sonntag Gottesdienst gefeiert wird. Aber es kann an jedem Ort jeden Sonntag eine Andacht gefeiert werden, getreu dem Wort Jesu: Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. (Matthäus 18,20)

Dafür gibt es hier Andachtsvorlagen mit allen Texten, die für eine Andacht wichtig sind:

Stille Andacht am Karfreitag 2022

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

 

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Johannesevangelium 3,16)

 

 

Gebet

Herr Jesus Christus, lass mich still werden vor Dir.

Alles, was mich belastet und bedrückt, lege ich vor Dich hin.

Stärke mich heute, dein Leiden zu bedenken,

Du hast für mich gelitten und bist für mich gestorben!

Lass mich mein eigenes Leid und meine eigene Last im Licht Deiner Liebe sehen, die alles Schwere überwindet!

 

EG 79 Wir danken dir, Herr Jesu Christ

 

1) Wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du für uns gestorben bist
und hast uns durch dein teures Blut gemacht vor Gott gerecht und gut

2) und bitten dich, wahr Mensch und Gott, durch dein heilig fünf Wunden rot,
erlös uns von dem ewgen Tod und tröst uns in der letzten Not.

3) Behüt uns auch vor Sünd und Schand und reich uns dein allmächtig Hand,
dass wir im Kreuz geduldig sein, uns trösten deiner schweren Pein

4) und schöpfen draus die Zuversicht, dass du uns wirst verlassen nicht,
sondern ganz treulich bei uns stehn, dass wir durchs Kreuz ins Leben gehn.

 

 

Aus dem Evangelium nach Johannes im 19. Kapitel:

Da überantwortete er ihnen Jesus, dass er gekreuzigt würde. Sie nahmen ihn aber,17 und er trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. 18 Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte. 19 Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. 20 Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. 21 Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der Juden König. 22 Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. 23 Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock. Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. 24 Da sprachen sie untereinander: Lasst uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten. 25 Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena. 26 Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! 27 Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. 28 Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. 29 Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund. 30 Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied. 31 Weil es aber Rüsttag war und die Leichname nicht am Kreuz bleiben sollten den Sabbat über – denn dieser Sabbat war ein hoher Festtag –, baten die Juden Pilatus, dass ihnen die Beine gebrochen und sie abgenommen würden. 32 Da kamen die Soldaten und brachen dem ersten die Beine und auch dem andern, der mit ihm gekreuzigt war. 33 Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht; 34 sondern einer der Soldaten stieß mit einer Lanze in seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus. 35 Und der das gesehen hat, der hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr, und er weiß, dass er die Wahrheit sagt, damit auch ihr glaubt. 36 Denn das ist geschehen, damit die Schrift erfüllt würde (2. Mose 12,46): »Ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen.« 37 Und ein anderes Schriftwort sagt (Sacharja 12,10): »Sie werden auf den sehen, den sie durchbohrt haben.«

 

Gedanken zum Karfreitag

 

Seit Wochen begleiten uns die Nachrichten und Bilder aus der Ukraine. Und sie legen sich schwer auf das Herz. Seit Wochen sind wir betroffen vom Schicksal von Millionen Frauen und Kindern, die aus der Ukraine geflohen sind. Von wehrfähigen Männern, die nicht fliehen dürfen. Von tausenden Getöteten, von zerstörten Häusern, Straßen, Brücken.

Die Gewalt ist entfesselt in diesem Land. Und die schlechtesten Seiten des Menschen treten wieder einmal hervor. Die hässliche Fratze des Krieges, des Alleszerstörers macht sich in den umkämpften Gebieten breit.

Was aus dem Kiewer Vorort Butscha berichtet wurde, hat mich ganz besonders traurig gemacht. Die Tötung hunderter völlig unbeteiligter Menschen. Die Täter waren offenbar im Blutrausch.

Ich erinnere mich an eine Mutter mit leergeweinten Augen. Was sie erzählte, ging mir besonders nahe. Ihr Sohn war gerade nach Butscha gekommen, um sie, seine Mutter, abzuholen, zu evakuieren, zu retten. Aber er hat das Haus seiner Mutter nicht mehr betreten. Denn auch ihn haben sie erschossen, weil er zur falschen Zeit am falschen Ort war. Sie hat ihn noch einmal in den Arm genommen, ihren toten Sohn. Und dann musste ihn notdürftig begraben im eigenen Garten.

Ihr Schicksal steht für das Schicksal so vieler Menschen, die unter dem Krieg oder unter entfesselter Gewalt leiden. Für das Schicksal so vieler Mütter, die um ihre getöteten Söhne weinen, auf beiden Seiten.

Wann hört das endlich auf, dass Mütter um ihre getöteten Söhne weinen müssen?

Denn das tun sie schon seit Tausenden von Jahren.

Eine von diesen vielen Müttern war Maria, die Frau des Josef von Nazareth, die Mutter Jesu. Sie lebte in einem Land, das von einer Großmacht erobert worden war und nun unterdrückt wurde, mit militärischer Gewalt. Und alle Bemühungen, dieses Joch der Unterdrückung abzuschütteln, waren kläglich gescheitert und haben viel Blut gekostet. In solchen Zeiten hat Jesus gelebt und gewirkt. In solchen Zeiten hat er Zeichen der Heilung und Versöhnung und Hoffnung gesetzt. Aufgrund falscher Anschuldigungen und Lügen wurde er verhaftet und verurteilt. Durch die Hand der Besatzer wurde er gequält und getötet.

Und immer wenn Christen sich Jesu Leiden und Schmerzen vor Augen halten, dann denken sie auch an den Schmerz seiner Mutter. Denn das ist wohl der größte Schmerz, den eine Frau aushalten muss in ihrem Leben, wenn sie das eigene Kind leiden und sterben sehen muss. Vor kurzem habe ich eine Frau bestattet, die ihren eigenen krebskranken Sohn bis zum Schluss gepflegt hat. Es hat ihr das Herz gebrochen, ihn so zu sehen und nichts dagegen tun zu können.

Lassen Sie uns einen Blick auf das Bild werfen.

Es zeigt eine Skulptur aus dem Erfurter Ursulinenkloster. Wir sehen Maria, die ihren toten Sohn Jesus in den Arm genommen hat. So wie sie ihn früher in den Arm nahm, als er noch klein war, um ihn zu trösten, um ihm zu zeigen, dass sie ihn liebhat. Um ihm nahe zu sein.

Wieviel Kraft muss sie aufbringen, um den Körper ihres toten Sohnes zu halten? Aber viel mehr: Wieviel innere Kraft muss sie aufbringen, um den Anblick ihres toten Sohnes zu ertragen?

Ihr Angesicht erinnert mich an das jener Frau aus Butscha. Traurig und fassungslos und gebrochen, voller Liebe und Mitleiden. Auch ihr Sohn ist gestorben, weil er sie retten wollte. Sie und alle anderen Menschen, damals und heute, auch die Mörder von Butscha. Die Wunde an Jesu Seite scheint auch ihre Wunde zu sein. Und mit ihm ist auch etwas in ihr gestorben.

Wie soll man solches Leid aushalten? Wie soll man den Anblick solchen Leids ertragen?

Vielleicht gibt uns das Bild selbst ein Zeichen. Das Gewand der Maria. Ihr Kleid und auch ihr Tuch sind mit Blüten besetzt. Drei Blütenblätter, die zart auseinandergehen. Die Blüte mit drei Blütenblättern lässt an die Lilie denken. Die Lilie als Zeichen der Jungfräulichkeit Marias. Aber die Lilie steht auch noch für etwas anderes. Sie ist auch ein Zeichen für die Auferstehung. Noch ist sie nicht ganz erblüht. Die Blütenblätter sind noch nicht nach außen gebogen. Der Auferstehungsglaube ist zwar angelegt. Aber er kann noch nicht trösten, denn er ist noch nicht zur vollen Blüte gelangt.

So geht es auch uns Christen, nicht nur am Karfreitag, wenn wir Jesu Leiden bedenken. Wohl auch in anderen Zeiten, wo wir selber Leid und Trauer und Sorge tragen müssen. Da ist etwas da, das uns trägt, unser Glaube, unsere Hoffnung auf die Auferstehung. Etwas, das uns nicht zerbrechen lässt. Aber es kann die Traurigkeit nicht ganz vertreiben. Denn es ist nur wie eine Knospe ist, die noch nicht vollends erblüht ist. So musste auch Maria die Trauer tragen, drei schreckliche Tage lang.

Jesus selbst hat einmal zu seinen Jüngern gesagt, wie es der Evangelist Johannes bezeugt:

Noch eine kurze Zeit, dann seht ihr mich nicht mehr, und wieder eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich sehen.

Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, aber eure Trauer wird sich in Freude verwandeln. (Joh 16)

Was für ein Versprechen: Eure Traurigkeit wird sich in Freude verwandeln! Nehmen wir diese Knospe des Glaubens und der Hoffnung mit in die kommende Zeit. Und gebe Gott, dass sie irgendwann vollends erblüht, wenn Glaube und Hoffnung zur Gewissheit geworden sind. Amen

 

EG 93 Nun gehören unsre Herzen

 

1) Nun gehören unsre Herzen ganz dem Mann von Golgatha,
der in bittern Todesschmerzen das Geheimnis Gottes sah,
das Geheimnis des Gerichtes über aller Menschen Schuld,
das Geheimnis neuen Lichtes aus des Vaters ewger Huld.

2) Nun in heilgem Stilleschweigen stehen wir auf Golgatha.
Tief und tiefer wir uns neigen vor dem Wunder, das geschah,
als der Freie ward zum Knechte und der Größte ganz gering,
als für Sünder der Gerechte in des Todes Rachen ging.

3) Doch ob tausend Todesnächte liegen über Golgatha,
ob der Hölle Lügenmächte triumphieren fern und nah,
dennoch dringt als Überwinder Christus durch des Sterbens Tor;
und die sonst des Todes Kinder, führt zum Leben er empor.

4) Schweigen müssn nun die Feinde vor dem Sieg von Golgatha,
die begnadigte Gemeinde sagt zu Christi Wegen: Ja!
Ja, wir danken deinen Schmerzen; ja, wir preisen deine Treu,
ja wir dienen dir von Herzen. Ja, du machst einst alles neu!

 

Fürbitten

 

Herr, Jesus Christus, ich schaue auf dein Kreuz. Du weißt, wie sich Leiden anfühlt. So bitte ich mit dir für alle, die in diesen Tagen leiden müssen:

 

– die in Angst sind vor Krieg und Gewalt

– die in Sorge sind um ihre Lieben

– die auf der Flucht sind und nirgends hingehören

– die im Sterben liegen.

– die einen geliebten Menschen verloren haben.

– die jetzt einsam sind und sich nach Gemeinschaft sehnen.

– man verachtet und ausgestoßen hat

 

Herr, Jesus Christus, ich schaue auf dein Kreuz.

Du weißt, was es heißt, für andere da zu sein.

So bitte ich mit dir für jene, die jetzt für andere da sind und ihr Leiden mindern.

 

Für sie alle bitte ich dich: Sei Du Ihnen nahe und stärke sie. Lass sie nicht zerbrechen unter der Last ihres Kreuzes.

 

Vaterunser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

 

Segensbitte

 

Herr, segne uns und behüte uns!

Lass Dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig!

Erhebe Dein Angesicht auf uns und schenke uns

Deinen Frieden!  Amen